Viele Besitzer wertvoller
Kunstwerke, die ihre Gemälde authentifizieren lassen wollen,
glauben fest daran, dass kostspielige wissenschaftliche
Techniken all ihre Fragen bezüglich der Gemälde beantworten
könnten. Das ist jedoch leider ein Irrglaube. Natürlich kann
das Zusammenwirken kunstwissenschaftlicher und
naturwissenschaftlicher Methoden manchmal zwingend für eine
Echtheitsüberprüfung oder Datierung eines Gemäldes sein; doch
sind das dann lediglich Teile eines größeren Puzzles. Die
Ergebnisse naturwissenschaftlicher Techniken für sich genommen
beantworten jedenfalls keinesfalls alle Fragen, die ein
Gemälde aufwerfen mag.
Die Geschichte der Farbpigmente in der Kunst
Das Wichtigste, wonach Kunstforscher in der Pigmentanalyse
eines Gemäldes suchen, ist die besondere Pigmentart. Diese
gibt Aufschluss über die Entstehungszeit des Gemäldes, denn
die Wissenschaft weiß, in welcher Zeit ein bestimmtes Pigment
in Gebrauch war. Im Folgenden geben wir eine historische
Übersicht der häufigsten von den Künstlern im Lauf der
Jahrhunderte genutzten Farbpigmente. Einige der
prähistorischen Farbpigmente werden sogar heute noch genutzt.
Prähistorische und altertümliche Farbpigmente
Ocker: Oft für Keramiken genutzt. Ocker ist entweder
transparent oder opak. Es ist durch die gesamte
Kunstgeschichte hindurch bis zum heutigen Tag in Gebrauch.
Wird aus natürlicher Tonerde gewonnen. Ocker gehört zu den am
häufigsten nachgewiesenen Farbpigmentarten in der Geschichte
der Farben.
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Brauner Ocker |
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Gelber Ocker (Limonit) |
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Roter Ocker (Hämatit oder Blutstein) |
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Färberöte: Dieses Pigment feierte zu
Beginn des 19. Jahrhunderts sein Debüt in der Malerei,
eine synthetische Version dieses Pigments kam 100 Jahre
später hinzu. Färberöte, auch als Alizarin bekannt, ist
seit 1500 v. Chr. bekannt. |
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Azurit: Dieses wunderschöne blaue Pigment
war bereits 2.500 v. Chr. in Gebrauch und allgemein als
„Ägyptisch Blau” bekannt. Verwendet von der
Renaissancezeit bis zum 17. Jahrhundert. |
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Orpiment: Sulfid-Mineral der Arsen-Erze.
Dieses gelbe Farbpigment wurde von 3000 v. Chr. bis zum
Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet, (toxisch). |
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Ultramarin: Ab 600 n. Chr. in Gebrauch.
Das blaue Farbpigment Ultramarin war heiß begehrt, doch
auch eines der teuersten. Hergestellt aus dem kostbaren
Edelstein Lapislazuli, wurde Ultramarin in der
Renaissance besonders für religiöse Malereien verwendet.
Um 1800 herum entstand auch eine synthetische Version
dieses Pigments, daraufhin wurde es häufiger genutzt. |
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Zinnober: Ein weiteres sehr teures
Farbpigment ist der reizvolle Zinnober, ein Bodenmineral.
Seit 500 n. Chr. bekannt. Wird heute kaum noch verwendet,
da es als toxisch gilt. |
Antike Farbpigmente:
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Schwarze Zeichenkohle: Seit dem 14.
Jahrhundert bis in unsere Zeit hinein genutzt, auch als
„Holzkohle” bekannt. Entsteht durch unvollständige
Verbrennung organischer Materialien (Verkohlung).
Beliebt besonders in der Skizzenanfertigung, da es auf
der Leinwand von Ölfarbe vollständig überdeckt wird.
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Kreide: Aus Kalkstein oder
Kalziumkarbonat hergestellt, wurde dieses Farbpigment
bereits vor der Renaissance verwendet. Heute vor allem
in Zeichnungen eingesetzt, aber auch in der
Pastellmalerei. |
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Malachit:In der Kunst hauptsächlich vom
15. bis zum 16. Jahrhundert genutzt. Das reizvolle
Farbpigment wird durch Mahlen von Kupferkarbonat-Erz
gewonnen. In der Renaissance sehr geschützt, doch im 19.
Jahrhundert aufgrund seiner Toxizität durch eine
synthetische Version ersetzt. |
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Indisch Gelb: (Euxanthin) Dieses gelbe
bis orange-gelbe Farbpigment wurde um 1400 gefunden, ist
aber nach 1900 nicht mehr häufig verwendet worden.
Indisch Gelb ist besonders in der Öl- und
Aquarellmalerei beliebt. Es wird durch Mahlen eines
Magnesiumsalzes gewonnen, das der Hauptbestandteil
getrockneten Kuh-Harns ist. Das gelbe Pigment kann
völlig transparent sein. Um den grellen Gelbton zu
erhalten, fütterte man die Kühe ausschließlich mit
Mangoblüttern und Wasser; diese Praxis wurde Anfang des
19. Jahrhunderts als unmenschlich eingestuft und
verboten. Kurz Zeit später war eine synthetische Version
dieses Pigments verfügbar. |
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Grünerde: Das grünliche Pigment war in
der Renaissance sehr gefragt, um Hauttöne darzustellen.
Es wird aus Eisen-Silikat und Tonerde gewonnen und ist
heutzutage nur mehr selten zu finden. |
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Indigo: Von keinem geringeren als Marco
Polo um 1200 entdeckt, ist Indigo auch heute noch weit
verbreitet. Der Farbstoff wird aus Indigopflanzen
gewonnen und findet als Färbemittel und Tinte Verwendung.
Um 1800 durch eine synthetische Version ersetzt. |
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Bleiweiß: Fand in der Kunst zwischen 1300
bis ins späte 19. Jahrhundert breite Anwendung,
schließlich aber aufgrund seiner Toxizität ersetzt.
Gewonnen durch Auflösung von Blei in Säure, wobei
Bleiweiß als Farbpigment übrig bleibt. Kann in
Authentifizierungen leicht mittels Röntgenanalyse
nachgewiesen werden, da es metallisch ist. |
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Grünspan (Kupferazetat): Grünspan war im
Mittelalter bis hinein ins späte 19. Jahrhundert ein
beliebtes Farbpigment. Man gewann es durch Auslegen von
Weintraubenresten auf Kupferplatten, wodurch diese eine
grüne Kruste bilden. ähnliches widerfährt auch einer
Kupfermünze im Lauf der Zeit. Wegen seiner Toxizität
wurde der Gebrauch von Grünspan eingestellt. |
Heutige Farbpigmente:
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Cadmiumorange: Created from cadmium
metal, this pigment was first discovered and used in the
early 1800s. Still used today. |
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Cadmiumgelb: Wird aus dem Metall Cadmium
gewonnen. Das Pigment wurde im frühen 19. Jahrhundert
entdeckt und ist auch heute noch in Gebrauch. |
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Coelinblau: Ist seit 1860 in Gebrauch.
Besonders von Landschaftsmalern für Himmeldarstellungen
benutzt. Der Farbstoff wird durch Erhitzen von
Kobaltoxid in Basen anderer Metalle gewonnen. |
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Kobaltblau: Verwendet seit dem frühen 19.
Jahrhundert. Es handelt sich um ein künstliches Pigment,
das aus Smalte, einem mit Kobaltoxid gefärbten
Kaliumsilikatglas, gewonnen wird. Es wird noch heute
genutzt. |
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Kobaldgrün: Wird durch Mischen von Kobalt
und Zinkoxid und anschließender Erhitzung hergestellt.
Durch Mahlen des Sediments aus diesem Prozess erhält man
das grüne Pigment. Wird seit dem frühen 19. Jahrhundert
bis in unsere Tage hinein verwendet. Es ist nicht leicht
zu verarbeiten und außerdem teuer, daher findet man es
nur selten in Gemälden. |
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Kobaltviolett: Wurde in der Mitte des 19.
Jahrhunderts entdeckt. Gewonnen durch Mischen und
Erhitzen von Kobalt und Di-Natrium-Phosphat. |
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Smaragdgrün: Wird durch Auflösen von
Grünspan in Essig gewonnen, dann gekocht, wodurch ein
grünes Sediment entsteht. Vom frühen 19. Jahrhundert bis
zur Mitte der 1960er Jahre genutzt. |
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Viridian: In der Mitte des 19.
Jahrhunderts in Paris erfunden, handelt es sich um ein
opakes Chromoxid. Das Pigment wird auch mit Zink oder
Cadmiumgelb vermischt, um ein beständiges Grün zu
erzeugen. |
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Zinkweiß: Seit dem frühen 19. Jahrhundert
und auch heute noch in der Kunst verwendet. Aus
Rohmaterial gewonnen, ersetzte Zinkweiß Bleiweiß und ist
nicht toxisch. |
Nach unserer Erfahrung hier
bei Artexperts sind Kunstbesitzer oft bereit, immense Summen
für eine Pigmentanalyse ihrer Gemälde auszugeben, nur um
nachher enttäuscht zu sein, wenn die Resultate nicht alle Ihre
Fragen zu ihrem Kunstbesitz beantworten können. Diese
Enttäuschung rührt daher, dass die Leute sich nicht über die
Begrenzungen naturwissenschaftlicher Methoden wie eben einer
Pigmentanalyse in der Kunstforschung im Klaren sind. Die
Ergebnisse dieser Methoden sind normaler Weise von keinerlei
Nutzen, es sei denn sie werden gemeinsam mit einer Expertise
von Kunstexperten angewendet.

Fete Champetre

Fete Champetre Röntgenaufnahme
Die oben gezeigte
Röntgenaufnahme des Bildes „Fete Champetre” von Jean Antoine
Watteau kann Metalle und Pigmente in dem Gemälde aufspüren.
Doch kann diese Technik wirklich nachweisen, dass es von
Watteau gemalt wurde?
Die Pigmentanalyse für sich kann allenfalls einmal eine
Negation bestätigen, also die Annahme erhärten, dass ein
Gemälde nicht von einem bestimmten Künstler stammt. Ansonsten
ist die Pigmentanalyse für sich allein genommen fast niemals
hilfreich bei der Bestimmung des Schöpfers eines Gemäldes.
Trotz dieser Tatsache entscheiden sich viele Kunstbesitzer für
eine Pigmentanalyse, sie wollen von ihr eine Bestätigung einer
positiven Annahme. Wenn sie ein Gemälde besitzen, das von
Degas signiert wurde, so geben sie ihr Geld für einen Analyse-Service
in der Erwartung aus, das dieser ebenso für eine Bestätigung
als auch für eine Zurückweisung der Annahme, es handele sich
um einen Degas, tauglich ist.

Degas, Danseuses Vertes et Jaunes, 1903
Bei einer Pigmentanalyse des
obigen Pastell-Gemäldes von Degas könnte ein Kunstforscher
herausfinden, dass der Künstler das Farbpigment Smaragdgrün
verwendet hat, hergestellt aus einer giftigen Kupferverbindung.
Doch wie viele andere Künstler haben dasselbe Farbpigment in
ihren Werken verwendet? Nur eine umfassende Untersuchung kann
bestimmen, ob ein Pastell-Gemälde dieser Art wirklich aus der
Hand Degas’ stammt.
Um das näher zu illustrieren, betrachten wir als Beispiel
jemand, der ein mutmaßlich von Vermeer geschaffenes Gemälde
besitzt und das er authentifizieren lassen möchte. Die
Pigmentanalyse könnte das Ergebnis liefern, dass es kein
Vermeer ist, da das Gemälde Farbpigmente enthält, die zu
Zeiten Vermeers noch nicht genutzt wurden. Waren die
aufgespürten Pigmente hingegen bereits zu Lebzeiten des
Künstlers bekannt, so beweist das eben noch lange nicht, dass
das Gemälde nun auch tatsächlich von Vermeer ist. Das soll
nicht heißen, dass es nicht aus der Zeit Vermeers stammt, das
könnte es sehr wohl; doch was der Besitzer wissen möchte, ist,
ob es sich um einen echten Vermeer handelt. Allein diese Frage
interessiert ihn. Um darauf die Antwort zu finden, muss der
Besitzer die Hilfe eines Kunstexperten in Anspruch nehmen.
Dieser kennt sich mit Signaturen und den Malstilen
verschiedener Künstler aus, zudem ist er qualifiziert genug,
um Fälschungen zu erkennen. Erst sein Wissen und seine
Erfahrungen zusammen mit den Resultaten der Pigmentanalyse
vermögen die Antwort zu geben. Es ist daher für jeden
Kunstbesitzer, der an einer Identifizierung seines Gemäldes
interessiert ist, äußerst wichtig zu verstehen, dass eine
Pigmentanalyse nur zusammen mit einer qualifizierten Expertise
sinnvoll ist.

Die Malkunst, Vermeer
Vermeer bevorzugte oft
Bleiweiß in seinen Gemälden, sicher auch in dem obigen Bild
„Die Malkunst”. Vermeer nutzte auch Ockergelb, Azurit und
Smalte. Doch wie viele Vermeer-Fälscher nutzten gleichfalls
diese Pigmente zur selben Zeit? Aus diesem Grund ist eine
umfassende Untersuchung angemessen.

Die Anbetung durch die Heiligen drei Könige, Ockerbraun und
Ockergelb
Über Da Vincis „Anbetung
durch die Heiligen drei Könige” (siehe oben) gibt es eine
kontroverse Diskussion, die den braunen und gelben Ocker
betrifft, der in diesem unvollendeten Werk benutzt wurde.
Einige Kunstforscher behaupten, dass nicht Da Vinci selber die
braunen und gelben Farben hinzugefügt habe, sondern ein
anderer Künstler. Doch stützt sich diese Behauptung nicht bloß
auf die verwendeten Farbpigmente, sondern ebenso auf die Art
und Weise, mit der diese Farben aufgetragen wurden.
Wir haben nun viel über die Pigmentanalyse gesprochen, doch
was verbirgt sich exakt dahinter? Es handelt sich um eine
Technik zur Identifizierung von Rohmaterialien und Pigmenten
in einem Gemälde. Ein Pigment ist einfach jegliches Mittel,
das Farbe ergibt. Pigmentfarben sind das Ergebnis selektiver
Lichtabsorption, daher gibt es streng genommen kein weißes
Pigment. Farbpigmente absorbieren also selektiv einen
Ausschnitt aus dem sichtbaren Spektrum elektromagnetischer
Strahlung. Bei der Farbherstellung sind Pigmente normaler
Weise ein trockenes, unlösliches Pulver, das sich fein im
Bindemittel verteilt. Natürlich kamen in der Geschichte der
Kunst unterschiedliche Pigmente zur Anwendung. Einige der
ältesten Kunstformen sind Höhlenmalereien, und selbst in
dieser viele Jahrtausende zurück liegenden Zeit wurden bereits
Pigmente verwendet, wenn auch auf primitive Weise. Der
prähistorische Mensch vermischte Dreck und Tonerde mit
Speichel, um Farbe herzustellen. Die Schöpfer der berühmten
Höhlenmalereien (siehe unten) in Lascaux, Frankreich, nutzten
Holzkohle und weitere Pigmente.

Höhlenmalerei, Lascaux, Frankreich
Der prähistorische Mensch
nutzte Eisenoxid-Pigmente für die oft anzutreffenden tiefroten
Farbtöne. Eisenoxid und andere Mineralien wurden auch in der
Renaissance verwendet; Maler wie Michelangelo setzten für ihre
Meisterwerke roten Kalk ein, der aus der Erde gegraben wurde.
Renaissance-Maler bevorzugten zudem Grünerde („terra verte”)
für die Darstellung schattenbedeckter Hauttönungen. Im Verlauf
der Zeit wurden Pigmente dann in Labors produziert und heute
sind Pigmente erhältlich, die auf ausgeklügelte Art chemisch
hergestellt werden.

Holzkohle

Natürlicher roter Kalk

Grünerde

Eisenoxid
Als Resultat der Tatsache,
dass währende der unterschiedlichen Kunstperioden verschiedene
Farbpigmente zum Einsatz kamen, kann ein Kunstexperte die
mittels einer Pigmentanalyse in einem Gemälde identifizierten
Pigmente für eine Datierung der Entstehungszeit des Bildes
nutzen und es so einer Kunstperiode zuordnen. Das Ergebnis der
Pigmentanalyse kann dem Experten auch bei der Schlussfolgerung
helfen, dass das Gemälde nicht von einem bestimmten Künstler
stammen kann. Wenn dem Experten ein Bild vorgelegt wird, von
dem der Besitzer behauptet, es stamme von einem Künstler aus
dem 16. Jahrhundert, und die Pigmentanalyse weist Farbmittel
nach, die erst ab dem 19. Jahrhundert im Labor hergestellt
wurden, so ist klar, dass dieses Gemälde nicht von einem
Künstler aus dem 16. Jahrhundert stammen kann. Ganz ähnlich,
wenn man dem Experten ein Gemälde zeigt, von dem der
Eigentümer das Entstehungsdatum nicht kennt, und dessen
Pigmentanalyse Grünerde nachweist, so wird der Experte dieses
Faktum als Hinweise auf die Renaissance als Entstehungszeit
des Bildes nehmen. In beiden Fällen jedoch kann nicht einmal
das fortgeschrittenste Pigmentanalyse-Verfahren den Schöpfer
des Bildes identifizieren - hierzu sind die menschlichen
Fertigkeiten des Experten - kunsthistorische Kenntnisse,
Erfahrung und Kennerschaft - unabdingbar.
Ich hoffe, die Leser verstehen nun, dass die Pigmentanalyse im
Wesentlichen eine Technik für die Identifizierung der
Farbmittel und Rohmaterialien in Gemälden ist. Doch wie genau
arbeitet sie? Sie zerfällt in die zwei Kategorien invasiv und
nicht-invasiv.
Die nicht-invasiven Verfahren schließen normalerweise die
Spektroskopie mit ein. Darunter verstehen wir hier die
Untersuchung von Lichtspektren. Das wiederum bedeutet die
Abhängigkeit physikalischer Grüßen von der Frequenz.
Spektroskopie ist daher die Anwendung von Licht auf Materie,
sie eignet sich für die Identifizierung von Substanzen und
Materialien. Spektroskopie wird häufig in der physikalischen
und analytischen Chemie eingesetzt. Auch in der Astronomie
findet sie Anwendung.

Optische Spektroskopie
Die beiden nicht-invasiven
Techniken der Pigmentanalyse nutzen die spektroskopischen
Verfahren der Röntgen-Fluoreszenz-Spektroskopie (XRFS) und der
Raman-Spektroskopie. Die XRFS-Methode basiert auf einer
Analyse der Elemente, sie dient der Identifizierung der
meisten Elemente mit einer Ordnungszahl größer oder gleich der
von Aluminium. Mit ihr lassen sich nicht nur Pigmente und
Materialien in Gemälden nachweisen und identifizieren, sondern
auch die Haupt- und Nebenbestandteile von Bronzen bestimmen.
Die Raman-Spektroskopie basiert auf der Analyse der
molekularen Struktur. Es gibt einige Pigmente, die dieses
spektroskopische Verfahren aufgrund der Fluoreszenz der
Bindemittel nicht aufspüren kann. In diesem Fall kommt die
XFRS zur Hilfe, um die Resultate zu ergänzen.
Diese beiden Methoden sind
nicht-invasiv, weil keine von beiden die Entnahme von Proben
des Gemäldes erfordert.
Im Gegensatz dazu ist die Gas-Chromatografie eine invasive
Technik, die eine Probe des Gemäldes erfordert. Sie wurde zum
Beispiel dazu eingesetzt, die Wandmalereien in den Grotten von
Mogoa in China zu untersuchen, ein Weltkulturerbe auf der
Seidenstraße.

Gas-Chromatograf
Die Gas-Chromatografie wird
für die Bestimmung organischer Verbindungen eingesetzt und ist
besonders in der pharmazeutischen Industrie im Einsatz. In der
Kunstforschung hilft sie bei der Identifizierung von
Kunstmaterialien wie Öle, Harze oder Wachse. Für die Analyse
mittels der Gas-Chromatografie wird die Probe verdampft und
über die dünne Säule eines inerten Trägergases geleitet,
wodurch die Probenbestandteile getrennt werden. Diese werden
dann nacheinander von der Säule zu einem Detektor befördert.
Das eine Ende der Säule kann direkt mit einem
Massenspektrometer verbunden werden. Dieses zerbricht die
Bestandteile der Probe in ionisierte Moleküle, die dann durch
ein Magnetfeld geschickt und somit separiert werden. Dadurch
lassen sich die Substanzen letztlich identifizieren.
Man könnte diesen Artikel nun über zahllosen Seiten fortsetzen
und die komplizierte Physik und sonstige Naturwissenschaft
erklären, auf der die verschiedenen Pigmentanalyse-Verfahren
basieren. Doch letztendlich handelt es sich nur um Methoden
zur Bestimmung von Farbpigmenten und Rohmaterialien. Sie
können Ihnen nicht verraten, wer das Gemälde gemalt hat.
Gemälde lassen sich häufig allein aufgrund der Fähigkeiten
eines qualifizierten Kunstexperten authentifizieren, ohne dass
er dabei auf eine kostspielige wissenschaftliche Technik
zurückgreifen muss.
Hier bei Artexperts ist es oft nur eine Frage des effizienten
Zusammenwirkens zwischen Kunstexperten weltweit. Wir bemühen
uns, den bestmöglichen Service anzubieten, und wenn die
Kenntnisse und Fertigkeiten eines Experten in Frankreich
erforderlich sind, so zögern wir keine Sekunde, sie
anzufordern. Wir lehnen die Rolle der Pigmentanalyse in der
Kunstforschung keinesfalls ab, wo sie sinnvoll ist, setzen wir
sie ein, und wir haben genug Erfahrung, um genau einschätzen
zu können, bei welcher Art von Kunstwerken das der Fall ist.
Wenn wir sie als erforderlich erachten, kooperieren wir mit
den besten Labors auf diesem Gebiet.
Wenn Sie Ihr Gemälde authentifizieren lassen wollen: Bevor Sie
viel Geld für eine Pigmentanalyse ausgeben, rufen Sie uns an.
Wir können Ihnen sagen, ob sie wirklich notwendig ist.
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