Galerie-Etiketten

 

In den vergangenen 200 Jahren haben viele Galerien ein Etikett auf die Rückseite von Gemälden geklebt, meistens auf den Leinwandspanner.

Diese Etiketten trugen den Namen und manchmal auch die Adresse der Galerie. Auch wenn das Etikett oft teilweise abreißt, ein paar Informationen bleiben meist leserlich, etwa ein Teil des Namens oder ein Straßenname.

Geduldige Forschung vermag oft herauszufinden, wo und zu welcher Zeit die Galerie tätig war. Rathäuser, Handelskammern, Steuerbehörden oder Stadtarchive haben sämtliche Firmen verzeichnet, die jemals am Ort tätig waren, vorausgesetzt die Archive wurden nicht durch Feuersbrände, Überschwemmungen, Revolutionen, Kriege oder Bombenanschläge zerstört.

So erhält der Forscher also ein Datum und einen Ort des Gemäldes - Anhaltspunkte für die Rekonstruktion der Gemäldehistorie inklusive Besitzerreihe und Herkunft. Er weiß nun, dass das Gemälde zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit existierte.

Doch es gibt noch weitere Informationen für Rückschlüsse: Da Galerien sich häufig auf bestimmte Künstler, Kunstepochen oder -regionen spezialisiert haben, liefert ein Etikett einen Echtheitshinweis, wenn die Galerie für den Handel mit Werken dieses Künstlers bekannt war (oder ist).

Sind die Gemälde nicht zu alt, könnte es sein, dass es die Galerie noch gibt. Dann kann sich der Kunstgutachter von ihr bestätigen lassen, dass sie den Künstler im Programm hatte und das Kunstwerk echt ist.

Voriges Jahr untersuchten wir ein unbekanntes Gemälde aus der Kollektion eines Großkonzerns. Es schien sich um ein Werk des wichtigen amerikanischen Künstlers David Johnson (1827 - 1908) zu handeln. Ein Teil des Etiketts klebte noch auf der Gemälderückseite und es gelang uns schließlich, den Namen Bonfoey zu entziffern. Ein bisschen Recherche führte uns auf die Bonfoey Company in Cleveland, Ohio. Es gab sie noch.

Sie waren so nett, ihre Archive für uns durchzugehen und fanden heraus, dass sie vor vielen Jahren ein Gemälde von David Johnson verkauft hatten. Überraschend war jedoch, dass der damalige Verkauf zwei Bilder dieses Künstlers umfasste. Als wir das unserem Kunden mitteilten, veranlasste er eine konzernweite Durchsuchung sämtlicher seiner zahllosen Büroräume. Und siehe da, sie fanden den zweiten David Johnson! Die beiden Gemälde wurden wieder vereint und konnten beide authentifiziert werden.

Auktions-Etiketten

Eine andere Art Etiketten auf Gemälderückseiten sind Losnummern bei Auktionen. Oft befindet sich nur eine Zahl darauf. Name und Ort des Auktionshauses werden allgemein nicht aufgedruckt, außer auf Etiketten der vergangenen paar Jahrzehnte. In solchen Füllen ist es mit etwas Recherche in Auktionskatalogen manchmal möglich, eine Übereinstimmung der Etikettennummer auf der Gemälderückseite mit dem Katalogeintrag der Auktion zu finden. Die Beschreibung im Katalog liefert Informationen über das Gemälde und kann ausschlaggebend für die Authentifizierung sein.

Selbst alte Etiketten ohne Auktionsnamen bergen Informationen. Einige sind bedruckt, andere mit Bleistift, wieder andere mit Tinte beschrieben. Stil und Art des Schriftzugs geben eine Ahnung, wann sie in Gebrauch waren und wo sie verwendet wurden - denn die Handschriften in den USA, Deutschland oder Frankreich sind unterschiedlich. Die einfache Abkürzung für das Wort „Nummer” kann ein wichtiger Hinweis sein. „No” oder „no” sind Englisch, „N°” ist Französisch, „n.” ist Italienisch und „Nr.” ist Deutsch etc. Natürlich werden standardisierte Abkürzungen nicht immer eingehalten und können sich mit der Zeit ändern, doch eine Schlussfolgerung oder ein Hinweis in Kombination mit einer anderen Teilinformation führt häufig zu einem Teilergebnis.

Auch das allgemeine Erscheinungsbild des verwendeten Etikettenpapiers erlaubt Rückschlüsse auf Zeit und Ort. Beispielsweise waren dunkelrote Etiketten bis 1920 in britischen Auktionshäusern sehr beliebt. Die französischen bevorzugten rechteckige, weiße Aufkleber mit blauen Linien.

Etiketten in Ausstellungen und Wanderausstellungen

Die Situation dieser Etikettenart gleicht derjenigen in den Galerien. Nur sehr wenige tragen den Namen der Ausstellung, des Ortes oder weitere Informationen. Schlussfolgerungen müssen aus der Papierart, dem Schriftzug oder dem Aufdruck gezogen werden. Ist der Ausstellungsname aufgedruckt, so braucht man nur noch die Losnummer im Ausstellungskatalog nachzuschlagen, vorausgesetzt, es gibt ihn noch. Die Kataloge und Verzeichnisse der wichtigsten Ausstellungen in den USA, in Großbritannien und in Kontinentaleuropa aus den vergangenen 200 bis 250 Jahren existieren aber im Allgemeinen noch.

In einigen Füllen verwenden Künstler ihre eigenen Ausstellungsetiketten, entweder mit vollem Namenszug oder den Initialen. Das vereinfacht natürlich die Authentifizierung enorm.

Museumsetiketten

Einige Museen haben ihre Gemälde auf der Rückseite etikettiert. Grundsätzlich ist der Name des Museums aufgedruckt. Die Prozedur ist dann ganz einfach: Durchstöbern der Museumsarchive und alter Inventarverzeichnisse, um alle relevanten Informationen zu dem Gemälde und vielleicht auch den Namen des Künstlers zu recherchieren.
 

 
   
 
 
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