|
Eine schnelle Möglichkeit
festzustellen, ob ein Gemälde aus Amerika oder anderswoher
stammt, ist das Maßnehmen.
Die Leinwandformate sind nicht überall gleich. Beispielsweise
haben die Franzosen ein spezielles Formatsystem, das auf dem
Goldenen Schnitt basiert. Sie haben drei grundlegende
Formatsätze für Portraits, Landschaften und Seelandschaften.
Letztere basieren direkt auf dem Goldenen Schnitt, Portraits
auf dem Zweifachen des Goldenen Schnitts und Landschaften auf
dem Verhältnis der Quadratdiagonalen des Einheitsrechtecks:
1,4142134...
 |
 |
 |
|
Französische Standardformate für
Portraits
(1 inch = 2,54 cm) |
Französische Standardformate für
Landschaften
(1 inch=2,54 cm) |
Französische Standardformate
für Meeresdarstellungen
(1 inch = 2,54 cm) |
Natürlich haben
amerikanische Maler in Frankreich gearbeitet und Maler aus
aller Herren Länder in Italien usw. Wenn ein Gemälde ein
europäisches Format hat, so heißt das nicht, dass der Künstler
notwendigerweise Franzose oder Deutscher war. Doch wie so
vieles in der Gemäldeforschung liefert das Faktum des Formats
einen Hinweis.
Ein Renoir auf einem amerikanischen Leinwandformat wäre von
vornherein verdächtig.
Das Leben der meisten wichtigen Maler ist sehr gut
dokumentiert, und man kann leicht herausfinden, ob sie jemals
in Amerika, England, Frankreich oder sonst wo gearbeitet haben.
Mit dieser Information im Hinterkopf lässt sich schnell sagen,
ob ein Leinwandformat sich mit den Malerutensilien verträgt,
die dem Künstler zur Verfügung standen.
Zu den Differenzen in den Standardformaten, die je nach Land
unterschiedlich sein können, addieren sich die Vorlieben der
Künstler, die ganz bestimmte Leinwandformate bevorzugten.
Doch wiederum muss man sich klar machen, dass aus einem
solchen Faktum noch kein Echtheitsnachweis folgt. Allerdings
erhält der Kunstforscher einen weiteren Hinweis, wenn das
Gemäldeformat zu den bevorzugten des Künstlers zählt, oder, im
Gegenteil, außerhalb seiner Formatvorlieben liegt.
|