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Eine Signatur ist als
Echtheitsnachweis für ein Gemälde kaum ausreichend
Der Grund dafür ist die Einfachheit, mit der sich eine
Signatur nachträglich hinzufügen lässt. Es bedarf nur wenig,
eine Signatur zu fälschen, im Vergleich mit dem Aufwand und
der Begabung, die für die Herstellung des ganzen Gemäldes
erforderlich sind. Eine Signatur einem unsignierten Bild
hinzuzufügen oder die Signatur eines durchschnittlichen
Künstlers zu entfernen und gegen die eines bekannten Meisters
auszutauschen, gehört zu den einfachsten Dingen überhaupt. Es
ist eine der am weitesten verbreiteten Fälschungsarten, die
seit hunderten von Jahren bis in unsere Zeit hinein angewendet
wird. Einer der Gründe, warum es in der Vergangenheit so viele
Gemälde von Rembrandt gab (zu einem Zeitpunkt waren es über
1.000), war der, dass jedes auch nur entfernt an Rembrandt
erinnernde Gemälde durch eine unproblematische Fälschung der
Signatur zu einem „echten” Rembrandt gemacht werden konnte.
Heute zählen wir nur mehr 250 echte Rembrandts. In den
vergangenen 100 Jahren gingen folglich 750 Rembrandts verloren,
etwa alle sechs Wochen einer.
Zwar ist eine Signatur bzw. ein signiertes Gemälde gut und
nützlich, doch ist sie für den Echtheitsnachweis des Bildes
nur wenig hilfreich.
Heutzutage gibt es so genannte Künstler, die, während sie sich
nicht einmal für die Ausleerung von Leonardos Nachttopf hätten
qualifizieren können, jeden selbst hergestellten Müll
signieren. Das war nicht immer so und interessanter Weise
haben viele der größten Meister niemals ihre Werke signiert -
ein Grund, warum wir manchmal Probleme mit der Zuschreibung
eines Bildes haben. Von Michelangelo, dem wohl größten
Künstler aller Zeiten, kennen wir nur eine signierte Arbeit,
eine Skulptur. Er hat niemals etwas anderes signiert.
Das Signieren setzte sich im Verlauf der Jahrhunderte immer
mehr durch. Ein Blick auf die Kunstgeschichte lehrt uns, dass
Signaturen noch im 16. Jahrhundert durchweg unüblich waren,
dann jedoch bis zum Erreichen des frühen 19. Jahrhunderts
stetig zunahmen. Um 1850 waren sie Standard bei allen von
professionellen Künstlern fertig gestellten Bildern. Ab 1925
signierten Kunstprofis fast alles. Seit 1950 signiert jeder
alles.
Enthält ein Gemälde eine Signatur oder ein Monogramm, so
müssen sie entziffert und überprüft werden.
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Das erste, das wir tun, ist
Signaturenlexika aufschlagen, und wir haben eine der
umfangreichsten Sammlungen an lexikalischen Werken über
Signaturen und Monogramme. Wir prüfen, ob die Signatur mit
einer der verzeichneten Signaturen des Künstlers übereinstimmt.
Signaturen ändern sich mit der Zeit, daher sollte man
möglichst mehrere verschiedene Signaturen jedes Künstlers
parat haben, um feststellen zu können, wie er in seinen
unterschiedlichen Schaffensphasen signierte.
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Stimmt die Signatur dem
Augenschein nach gut mit der verzeichneten Signatur überein,
machen wir ein Foto und projizieren es mit einem Overhead-Projektor
als etwa zwei Meter großes Abbild auf eine weiße Wand.
Dasselbe machen wir mit der verzeichneten Signatur und
vergleichen nun beide. Wir sehen nun genau, wie die Signaturen
hergestellt und ausgeführt wurden. Wie einzelne Buchstaben
gezeichnet wurden, von welchem Ende her der Schriftzug
ansetzte, wann und wo der Stift oder Pinsel abgesetzt und wie
viel Druck ausgeübt wurde etc. Diese Makro-Untersuchung zeigt
deutlich, ob die Signatur mühsam, zögerlich, rasch oder sicher
gesetzt und wie sie technisch und mechanisch angefertigt wurde.
Winzige Details der Signatur, die dem unbewaffneten Auge
verborgen bleiben müssen, erscheinen als 30 Zentimeter große
Ausschnitte.
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Ist das Gemälde physisch
vorhanden, so stellen wir durch eine UV-Lichtanalyse fest, ob
die Signatur zeitgleich mit dem Gemälde entstanden ist. Farben,
die zu verschiedenen Zeiten aufgetragen wurden, fluoreszieren
unter UV-Licht unterschiedlich. In den vergangenen Jahrzehnten
haben fähige Fälscher die Signatur mit einem Lack bestrichen,
der die Fluoreszenz verhindert, sodass die UV-Analyse nur bei
älteren oder Amateurfälschungen der Signatur greift. Doch
glücklicherweise sind die Infrarot- und Röntgenmethode zur
Hilfe gekommen. Diese beiden Analyseverfahren vermögen echte
Signaturen, dem bloßen Auge unsichtbar, zu entdecken, und
enttarnen darüber hinaus auch gefälschte Signaturen, die Jahre
nach Fertigstellung des Bildes hinzugefügt wurden. Sind solche
forensischen Tests nötig, so nennen wir Ihnen die einschlägige
Adresse des Ihrem Wohnort zunächst gelegenen Labors.
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Während der Alterung eines
Gemäldes entstehen Risse, die natürlich auch durch die
Signatur verlaufen. Zudem verfärbt sich und verblasst der Lack
und Schmutz lagert sich auf der Bildoberfläche ab. Wir prüfen,
ob die Signatur gleichermaßen vom Zahn der Zeit in Form von
Rissen und Verfärbungen angegriffen wurde wie der Rest des
Gemäldes. Natürlich wird ein guter Fälscher auch das
berücksichtigen und entsprechend arbeiten. Daher prüfen wir
genau, ob die Verfärbungen und der abgelagerte Schmutz in den
Farbrissen des Gemäldes mit den alterungsbedingten
Beschädigungen und Rückständen der Signatur übereinstimmen.
Die Anwendung einer oder mehrer solcher Untersuchungen und
forensischer Tests ermöglicht im Allgemeinen eine sichere
Aussage, ob eine Signatur oder ein Monogramm echt ist.
Während eine Signatur kein
beweiskräftiges Indiz für die Echtheit eines Gemäldes ist,
bedeutet umgekehrt eine gefälschte Signatur noch nicht, dass
auch das Bild gefälscht ist. Der Grund dafür ist, dass viele
Signaturen auch bei echten Gemälden - inklusive Rembrandts - nachträglich
zugefügt wurden, da der Besitzer dadurch die Verkaufschancen
des Bildes erhöht sah oder an Prestige zulegen konnte. In
solche Situationen geraten wir immer wieder mal: Das Gemälde
ist echt, die Signatur gefälscht.
Aus all diesen Gründen gehört eine Signatur überprüft, doch
die Ergebnisse müssen sorgfältig in den richtigen Kontext
gestellt werden.
Eine Signatur ist bei der Authentifizierung nur ein Element,
und zwar keineswegs ein entscheidendes.
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