Wissenschaft & Technik

 

Technik umgibt uns überall und wir sind zu der Auffassung gelangt, dass es für jede Frage Maschinen oder wissenschaftliche Verfahren gibt, die uns die Antwort darauf geben können.

Viele Leute glauben, dass Gemälde mit dieser oder jener Technik authentifiziert werden können. Doch ist das wirklich so?

Die schlichte Antwort lautet: Nein!

Es gibt keinen Apparat, keinen Scanner, keine Spezialfotografie, die Ihnen sagt, ob Ihr Gemälde ein echter Picasso, Rembrandt oder sonst wer ist.

Manche unserer Kunden wenden sich an uns, nachdem sie mehrere tausend Dollar für eine Pigmentanalyse, Infrarotaufnahmen oder gar ein Elektronenemissionsradiogramm ausgegeben haben.

Am Ende wissen sie aber immer noch nicht, ob sie einen Renoir, einen Carreno oder einen Benjamin West besitzen.

Wissenschaftliche Tests tun meist zwei Dinge:

a) Sie sagen uns, ob sich unterhalb der oberen Farbschicht etwas befindet, beispielsweise eine Planskizze.

b) Sie liefern uns Stichtage. Beispielsweise gibt es Preußischblau erst ab 1725. Enthält daher ein Gemälde Preußischblau, so wurde es nach 1725 gemalt oder nach 1725 unter Verwendung von Preußischblau restauriert.

Diese Informationen können in gewissen Füllen äußerst nützlich sein, helfen jedoch wenig in der Frage nach der Urheberschaft eines bestimmten Kunstwerks.

Die Situation ähnelt der in der Dendrochronologie (Holzdatierung). Sie hilft uns bei der Altersbestimmung einer Holztafel, doch diese könnte jederzeit nach Fällung des Baums bemalt oder wieder bemalt worden sein.

Oft stellt man uns Fragen zur Radiokarbon-Methode (C14-Datierung). Das Problem dieser Methode ist ihre Ungenauigkeit für Objekte, die jünger als 350 Jahre sind, es mangelt ihr hier schlicht an Präzision. Die Wissenschaftler sehen sich enormen Schwierigkeiten bei der Kalibrierung der Messgeräte und exakten Testdurchführung gegenüber.

„Die mit der C14-Methode zur Altersbestimmung arbeitenden Forscher müssen sich der verschiedenen Fehlerquellen bewusst sein und erkennen, dass die Datierungsangabe mit einer hohen Ungenauigkeit behaftet ist.” (Gordon Pearson, “Precise 14C Measurement by LS Counting”, 1979)

Für die Authentifizierung von Staffelmalereien ist das C14-Verfahren zu unsicher. Aus diesem Grund wird es in diesem Bereich fast nie eingesetzt.

Andere wissenschaftliche Verfahren wie die Kalium/Argon-Methode oder die Thermoluminiszenz sind auf Gemälde nicht anwendbar. Sie funktionieren nur bei Keramiken oder liefern Ergebnisse im Bereich von hunderten oder tausenden Jahren. In den meisten Füllen sind sie für die Datierung von Gemälden wegen fehlender Genauigkeit ungeeignet.

DNS-Verfahren sind zwar diskutiert worden, doch in den meisten Füllen besitzen wir keine Körperteile des Künstlers um nachzuprüfen, ob ein in der Farbe steckendes Haar von ihm stammt oder von dem Wieselschwanz, aus dem der Malpinsel bestand.

Es hat auch Versuche gegeben, Gemälde auf Basis von Fingerabdrücken in der Farbe (die im Gegensatz zu den Fettabdrücken auf angefassten Gegenständen nicht verdunsten können) zu authentifizieren. Eine der Schwierigkeiten dieser Methode liegt darin, saubere Fingerabdrücke von dem Künstler zu erhalten, der in den meisten Fällen schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten tot ist.

Wissenschaftliche Tests liefern einige Informationen und Stichtage; sie dienen vor allem dazu, Fälschungen zu entlarven, weil die verwendeten neueren Materialien leicht zu erkennen und zu identifizieren sind.

Die meisten Tests sagen uns eher, was etwas nicht ist, als was es ist.

Es gibt keine Wissenschaft und keine Technik, die Gemälde quasi von selbst authentifizieren.

Die Authentifizierung von Gemälden erfordert eine angepasste Kombination von Ansätzen, Methoden, Untersuchungen und Nachforschungen, die nicht für alle Gemälde gleichermaßen in Frage kommt. Wissenschaftliche Testverfahren sind nur ein Werkzeug unter vielen.
 

 
   
 
 
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