Duplizierte Originale

„Apollo der Lautenspieler" wurde 2001 bei Sotheby's in New York verkauft. Der Katalog listete es als mögliches Werk von Carlo Magnone auf, einem Künstler des 17. Jahrhunderts.

Man nahm an, es handle sich um eine Kopie eines Gemäldes von Caravaggio, das im Metropolitan Museum of Art in New York hängt. Eine ähnliche Version des Gemäldes besitzt das Hermitage Museum in Russland.


Als Caravaggio erkannt: Apollo der Lautenspieler

Doch eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Beschreibung eines Caravaggio-Gemäldes von dem Biographen Giovanni Baglione entspricht exakt dem Bild „Apollo der Lautenspieler".

Nach einer gründlichen Säuberung und der Anwendung von Röntgenstrahlen wurden Änderungen und Korrekturen des Gemäldes sichtbar. Die Sachkundigen sahen in dem Bild nun eher das Original denn eine Kopie. Verschiedene Anpassungen wie das Profil der Hand des Jungen waren im Nachhinein vorgenommen worden und gewisse Schnitte erinnern stark an die Eigenart Caravaggios.

Das wäre niemals mit einer Kopie gemacht worden.

Nach der derzeitigen Annahme handelt es sich um ein Original, das Gemälde des Hermitage Museums ist demzufolge ein zweites Original.

Es ist keineswegs selten, nicht einmal die Ausnahme, dass Künstler mehrere Versionen desselben Bildes herstellen. Nehmen wir den Fall Gilbert Stuart. Er porträtierte George Washington im April 1796. Anschließend stellte er 72 Duplikate dieses Bildes her. Alle 72 Porträts sind Originale, denn er hat sie alle mit seiner eigenen Hand gemalt.

Vervielfältigte Originale sind weit verbreitet, und zahlreiche Gemälde, die derzeit als Kopien gelten, sind in Wahrheit duplizierte Originale. Sie warten nur darauf, als solche entdeckt zu werden.