Forensische Analyse

Die chemische Zusammensetzung, die Struktur und das Alter von Farbe, Bindemittel, Leinwand und Papier sowie mögliche Markierungen oder Zeichnungen unterhalb der Farbschicht, all diese chemischen und physischen Eigenschaften eines Kunstwerkes und ihre Besonderheiten lassen sich mit forensischen Analysemethoden untersuchen.

Die forensische Wissenschaft kann sich dabei verschiedener Techniken bedienen.

Röntgenstrahlen, ultraviolettes Licht und Infrarotstrahlen liefern Hinweise auf nachträglich hinzugefügte Änderungen oder Reparaturen am Kunstwerk, können verwendete Farbtypen ermitteln und bestimmte Farbpigmente identifizieren. Die Strahlen durchdringen die Farbschicht, reflektieren darunterliegende Zeichnungen oder Markierungen, spüren nachträglich hinzugefügte Signaturen auf oder entdecken authentische Signaturen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind.

Mit der Totalreflekion-Röntgenfluoreszenz-Analyse (TXRF) werden mit Baumwolltupfern gewonnene Pigmentproben eines Gemäldes untersucht. Die Proben werden intensiver Röntgenbestrahlung ausgesetzt, die Moleküle der Farbbestandteile angeregt und so Sekundärstrahlung (Fluoreszenz) ausgesandt, die jeweils typisch für die einzelnen Bestandteile der Pigmentprobe ist.

Auch die induktiv gekoppelte Plasmaspektroskopie (ICP) und die Atomabsorptionsspektroskopie (AAS) sind effektive Analysemethoden, jedoch aggressiver, da Hinweise über die elementare und molekulare Zusammensetzung der Farbbestandteile hierbei anhand von abgeschabten Farbspänen geliefert werden. Die Proben werden verbrannt, ihr Harz gewonnen, analysiert und mögliche chemische Anomalien sind so erkennbar.

Auch zur Trennung von organischen Verunreinigungen der Farbe (beispielsweise durch organische Bindemittel wie Honig oder Blut) und nicht-organischen Verunreinigungen angewendete chemische Verfahren sowie DNA-Analysen organischer Materialien (Fasern, Öle, Pinselhaare...) können zur Authentifizierung von Gemälden eingesetzt werden.

Mit forensischen Analyseverfahren lassen sich Alter, Aufbau, verwendete Materialien, Herkunft, Region, Malerwerkstatt und nachträgliche Änderungen eines Kunstwerks ermitteln.

In Kombination kann zum Ergebnisabgleich bzw. zur Ergänzung die empirisch vergleichende Morellische Analyse angewendet werden. Diese gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Arzt und Kunstsammler Giovanni Morelli entwickelte systematische Zuschreibungsmethode erkennt individuelle Formelhaftigkeiten in der Gestaltung von Figuren, unterscheidet Künstler und Malerwerkstätten anhand von stilistisch typischen Details und kann Handschriften bestimmter Künstler identifizieren.