Provenienz - Herkunftsnachweise

Das Wort Provenienz bedeutet schlicht „Ursprung". Die Provenienz eines Gemäldes meint also seinen Ursprung und seine Historie.

Die vollständige Provenienz besteht in einer Auflistung aller früheren Besitzer eines Gemäldes, angefangen vom Zeitpunkt seiner Entstehung im Atelier des Künstlers bis zum heutigen Tag.

Eine gut dokumentierte Provenienz zeigt auf, wann, wo und von wem ein Gemälde vom Künstler erworben wurde, dann im Laufe der Zeit, wer es wem verkauft hat, wer es als Geschenk oder Erbstück erhielt und so weiter.

Die Rekonstruktion der Provenienz eines Gemäldes ist eine von vielen verschiedenen Möglichkeiten, seine Echtheit zu beweisen und zu begründen.

Hier das Fallbeispiel einer Provenienzbestimmung, die wir im Rahmen einer Echtheitsuntersuchung eines Gemäldes vornahmen:

„Sie erwarben dieses Gemälde im Jahr 1994 aus dem Nachlass von Johan Franco in Virginia Beach.

Johan Franco wurde im niederländischen Zaandam am 12. Juli 1908 als Sohn von Margaretha Josephine Elisabeth Cohen Gosschalk Franco (1877-1913) geboren.

Margaretha Josephine Elisabeth Cohen Gosschalk Francos Bruder, Johan Cohen Gosschalk (1873 - 1912), heiratete 1901 die Witwe Theo van Goghs, Johanna Gesina van Gogh-Bongers (1862-1925), etwa zehn Jahre nach dem Tod deren Ehemanns.

Johanna Gesina van Gogh-Bongers hatte ihren ersten Ehemann, Theo van Gogh, 1889 geheiratet.

Theo van Gogh starb 1891. Er hinterließ seiner Frau Johanna Gesina van Gogh-Bongers sämtliche Gemälde Vincent van Goghs.

Vincent van Gogh starb 1890 und hinterließ alle Gemälde seinem Bruder Theo van Gogh."

Eine dokumentierte Provenienz gilt in hohem Maße als Echtheitsbeweis, da sie, zumindest an der Oberfläche, hieb- und stichfest nachzuweisen scheint, dass ein bestimmtes Gemälde von einem bestimmten Künstler stammt.

Doch, wie das bei diesen Dingen so üblich ist, verhüllt sich die Realität nicht so perfekt hinter der Theorie.

Trotz aller Anstrengungen kann es sich als unmöglich erweisen, die Historie eines Gemäldes zu rekonstruieren, was aber keinesfalls seine Nicht-Echtheit beweist.

Umgekehrt ist es nicht sehr schwierig, Lücken in der Historie phantasievoll zu füllen. Mit der Provenienz verhält es sich wie mit jeder Kette: Sie ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. John Drewe verkaufte 200 Fälschungen und verdiente ein paar Millionen Dollar einfach dadurch, dass er die Provenienz seiner Bilder erfand, bevor er vor einigen Jahren verhaftet wurde.

Die Provenienz berücksichtigt nicht, dass ein Gemälde vervielfältigt werden kann, und die Kopie das Original mit dem Resultat ersetzen kann, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Historienrekonstruktion der Kopie statt dem Original hinterherläuft. Finanzielle Probleme gehören zu den Hauptgründen, warum ein Besitzer ein echtes Gemälde privat verkauft und eine Kopie zurückbehält, um sein Gesicht im Bekanntenkreis zu wahren. Das wird seit Jahrhunderten so gemacht. Wird die Kopie später verkauft oder nachgelassen, so glaubt natürlich jeder, es handle sich um das Original.

Von den meisten älteren Gemälden besitzen wir nur Niederschriften, keine Fotografien oder Illustrationen. Viele Gemälde werden in Verkaufsdokumenten und Testamenten schlicht als „Porträt einer Dame" oder der sprichwörtlichen Wendung „Landschaft mit ..." beschrieben.

Diese dürftigen Beschreibungen passen auf so viele Gemälde, dass die Annahme, das 1837 verkaufte und derartig beschriebene Bild stimme mit dem hier angeschauten überein, schon einer gehörigen Portion Glaubens bedarf.

Viele Gemälde haben gar keine Provenienz, was in Anbetracht aller Lebensumstände auch nicht überraschen kann.

Alte Menschen schenken ihre Gemälde Nachbarn, Freunden oder ihren Pflegern, ohne auch nur entfernter zu ahnen, worum es sich wirklich handelt. Menschen ziehen um, brechen zu neuen Ufern auf, verstauen ihre Sachen auf dem Speicherboden und lassen sie für immer hinter sich. Gemälde landen manchmal an Orten, wo man absolut nicht mit ihnen rechnet. Auch gibt es Menschen, die „lästige" Gemälde zur Dachkammer hinaufbringen, im Keller einlagern oder in Schuppen abstellen. Werden die Anwesen dann verkauft, entdecken die neuen Eigentümer später vielleicht ein altes Gemälde in einem dunklen Eck im Keller. Solche Dinge geschehen öfter, als man glaubt. Es sind dann Gemälde ohne Provenienz. Sie haben ihre Biografie verloren. Es sind sehr wertvolle Bilder darunter, sogar Meisterwerke, einige stammen vielleicht von den berühmtesten Künstlern.

Herkunftsnachweise sind definitiv hilfreich für Authentifizierungen von Kunstwerken, und je weiter man die Geschichte eines Kunstwerks aufgrund von Dokumenten ununterbrochen zurückverfolgen kann, desto besser ist es. Dennoch: Herkunftsnachweise sind letztlich kein sattelfester Beweis für die Echtheit eines Gemäldes, und fehlende Herkunftsnachweise bedeuten andererseits noch lange nicht, dass es nicht echt ist.

Sicher ist es manchmal möglich, die Echtheit eines Gemäldes ausschließlich durch die Rekonstruktion seiner Provenienz nachzuweisen; im Allgemeinen aber sind Herkunftsuntersuchungen nur Teil einer solide durchgeführten Authentifizierung.